Industrie in Zahlen
Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage sowie der Beschäftigtenstatistik für den IHK-Bezirk Frankfurt am Main, Hessen und die Metropolregion FrankfurtRheinMain - Zahlen, Indikatoren, Entwicklungen, Prognosen, weitere Informationen
- Konjunkturelles Umfeld: International
Die konjunkturelle Lage im Frühjahr 2026: Weltwirtschaft wächst moderat – geopolitische Risiken nehmen zu, Wettbewerb verschärft sich.Fragiles Wachstum der WeltwirtschaftZum Jahresanfang 2026 sind die internationalen Rahmenbedingungen für die heimische Industrie von moderatem globalem Wachstum bei gleichzeitig stark erhöhter geopolitischer und handelspolitischer Unsicherheit geprägt. Die großen internationalen Organisationen erwarten für 2026 ein Weltwirtschaftswachstum zwischen rund 2,6 Prozent (Weltbank) und 3,3 Prozent (IWF). Damit bleibt die globale Expansion grundsätzlich intakt; sie ist jedoch fragil und regional sehr unterschiedlich verteilt. Für eine stark exportorientierte Volkswirtschaft wie Deutschland ist nicht nur die Höhe des globalen Wachstums entscheidend, sondern vor allem dessen regionale Struktur, die Handelspolitik der großen Akteure sowie die Stabilität von Energie- und Lieferketten.USA bleibt wichtiger Absatzmarkt mit sehr hohem PolitikrisikoIn den USA wird für 2026 ein Wachstum von rund 2 bis 2,5 Prozent erwartet. Die US-Wirtschaft bleibt damit vergleichsweise dynamisch, getragen von Investitionen, dem Technologiesektor und einem robusten Arbeitsmarkt. Für die deutsche Industrie bedeutet dies grundsätzlich eine stabile Nachfrage nach Investitionsgütern und Vorprodukten. Gleichzeitig stellt jedoch die US-Politik ein erhebliches Risiko dar. Bereits im letzten Jahr waren die Exporte in die USA in einzelnen Branchen deutlich rückläufig. Das Urteil des Supreme Courts vom 20. Februar 2026, nach dem der Präsident auf Basis des International Emergency Economic Powers Act keine Zölle verhängen darf, hätte grundsätzlich zwar die Unsicherheit reduzieren können. Politisch wurde jedoch von Trump unmittelbar danach angekündigt, Zölle in Höhe von 15 Prozent auf Importe zu erheben, gestützt auf andere Rechtsgrundlagen. Für die deutschen Unternehmen bedeutet das Urteil also keine Entwarnung, sondern im Gegenteil eine weitere Erhöhung der Unsicherheit. Die Rechtslage bleibt umstritten, die konkrete Ausgestaltung von Ausnahmen ist unklar und kurzfristige Anpassungen sind jederzeit möglich. Planbarkeit und Investitionssicherheit leiden.Überkapazitäten in China erhöhen WettbewerbsdruckChina wird 2026 voraussichtlich mit etwa 4 bis 4,5 Prozent wachsen. Allerdings ist das Wachstumsmodell stark industrie- und exportgetrieben. Die chinesische Industriepolitik fördert strategische Sektoren massiv und führt in einzelnen Bereichen zu Überkapazitäten. Dies verstärkt den Wettbewerbsdruck auf europäische und insbesondere deutsche Anbieter, etwa in der Automobilindustrie, im Maschinenbau, bei Batterien und in der Solartechnik. Gleichzeitig wird der chinesische Markt für deutsche Exporte schwieriger, da lokale Anbieter gestärkt und Importe substituiert werden. Der Wettbewerb aus Fernost intensiviert sich damit spürbar.Neue Wachstumsmärkte in Indien und den ASEAN-StaatenIndien bleibt mit rund 6 Prozent Wachstum einer der dynamischsten großen Märkte weltweit. Auch viele ASEAN-Staaten wachsen mit Raten von 4 bis 5 Prozent. Diese Regionen bieten mittel- und langfristig erhebliche Absatzchancen für deutsche Investitionsgüter, erfordern jedoch lokale Präsenz und angepasste Geschäftsmodelle. In Lateinamerika bleibt das Wachstum mit rund 2 Prozent moderat und stark von Rohstoffpreisen sowie politischen Entwicklungen abhängig. Hier sollten durch die jüngste Umsetzung des Mercosur-Abkommens mittelfristig die Absatzchancen der heimischen Industrie deutlich steigen.Deutschland dürfte 2026 seine Rolle als „Wachstumsschlusslicht im Euro-Raum“ aufgebenDer Euroraum wächst 2026 voraussichtlich um gut 1 Prozent. Spanien und einige mittel- und osteuropäische Länder entwickeln sich dynamischer, während Frankreich und Italien deutlich hinterherhinken. Deutschland war zuletzt mit Österreich das Wachstumsschlusslicht im Euro-Raum. In erster Linie durch den Anstieg der öffentlichen Aufträge für Rüstung und Infrastrukturprojekte dürfte das Wachstum im Jahr 2026 zwischen 0,6 und einem Prozent liegen – und damit im unteren Drittel des Euroraums.Neue Risiken durch den Krieg im Nahen OstenDer am 28.02.2026 erfolgte Angriff der USA und Israels auf den Iran sowie Gegenschläge des iranischen Regimes nicht nur gegen Israel, sondern auch auf weitere benachbarte Länder erhöhen das Risiko eines Flächenbrandes in der Region. Über die Straße von Hormus fließen 20 Prozent des weltweiten Erdölhandels. Eine bereits kurzfristige Störung dieses wichtigen Transportweges wird zu steigenden Energiepreisen, höheren Versicherungsprämien und möglichen Lieferkettenunterbrechungen führen. Dies könnte wie ein externer Kostenschock wirken. Insgesamt sieht sich somit die heimische Industrie Anfang 2026 einem Umfeld gegenüber, das von moderatem Wachstum der Weltwirtschaft bei zugleich außergewöhnlich hoher politischer und geopolitischer Unsicherheit geprägt ist.
- Konjunkturelles Umfeld: National
Die konjunkturelle Lage im Frühjahr 2026: Konjunktur stabilisiert sich leicht – Konsum stützt, strukturelle Schwächen bleibenStaatlicher und privater Konsum stützen KonjunkturZu Beginn des Jahres 2026 präsentiert sich die deutsche Konjunktur in einem Zustand vorsichtiger Stabilisierung. Die Rezession ist formal überwunden, doch von einem kraftvollen Aufschwung kann keine Rede sein. Das Jahr 2025 brachte ein reales Wirtschaftswachstum von lediglich 0,2 Prozent. Damit bewegte sich Deutschland zwar wieder im positiven Bereich, blieb jedoch deutlich hinter dem Euroraum zurück, der insgesamt um etwa 1,5 Prozent zulegte. Während viele europäische Nachbarn moderat expandierten, verharrte die größte Volkswirtschaft Europas in einer Phase der Stagnation mit nur leichten Erholungstendenzen. Auffällig ist dabei die Struktur des Wachstums. Getragen wurde das schwache Wachstum 2025 vor allem vom privaten und staatlichen Konsum. Die Industrie hingegen blieb unter Druck. Das verarbeitende Gewerbe verzeichnete im Jahresdurchschnitt einen Produktionsrückgang von gut einem Prozent. Besonders exportorientierte Branchen wie der Maschinenbau, die Elektroindustrie und Teile der Automobilindustrie litten unter schwacher Auslandsnachfrage, zunehmendem Wettbewerb aus Asien und handelspolitischen Spannungen. Zum Jahresanfang 2026 zeichnet sich im verarbeitenden Gewerbe keine Trendwende ab.2026: Schwaches Wirtschaftswachstum – strukturelle Probleme bleibenFür 2026 erwarten führende Wirtschaftsinstitute ein Wachstum zwischen 0,6 und 1,0 Prozent. Damit würde sich das BIP-Wachstum etwas beschleunigen, allerdings auf niedrigem Niveau. Die Dynamik soll vor allem aus dem Inland kommen. Öffentliche Investitionen, steuerliche Impulse und steigende Realeinkommen dürften die Nachfrage stützen. Ob dies ausreicht, um die strukturellen Schwächen zu überwinden, scheint jedoch mehr als fraglich. Denn die Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort Deutschland sind erheblich. Hohe Energiepreise im internationalen Vergleich, steigende Lohnkosten, umfangreiche Regulierung und lange Genehmigungsverfahren belasten die Wettbewerbsfähigkeit. Hinzu kommen Investitionsrückstände bei Infrastruktur, Digitalisierung und Bildung. Unternehmen klagen über Planungsunsicherheit, Bürokratie und hohe Arbeitskosten. Dies wirkt investitionshemmend und bremst das Produktivitätswachstum.Deutsches Exportmodell unter DruckBesonders unter Druck steht das deutsche Exportmodell. Jahrzehntelang war es der Wachstumsmotor der Republik. Doch 2025 gingen die Exporte erneut zurück. Handelskonflikte, insbesondere mit den USA, eine starke Währung im Vergleich etwa zum US-Dollar und dem chinesischen Yuan sowie zunehmende Konkurrenz aus China haben die Position deutscher Anbieter geschwächt. Nicht nur in strategischen Zukunftsfeldern wie Elektromobilität, Batterietechnologie oder erneuerbaren Energien wächst der Wettbewerbsdruck aus Fernost spürbar, sondern auch in traditionellen deutschen Schwerpunkten wie dem Maschinenbau. Das exportgetriebene Modell funktioniert weiterhin, aber es verlangt höhere Innovationsgeschwindigkeit und stärkere Diversifizierung der Absatzmärkte seitens der Unternehmen.Robuster Arbeitsmarkt – Stabile PreisentwicklungDer Arbeitsmarkt zeigt sich trotz konjunktureller Schwäche erstaunlich robust. Die Beschäftigung blieb 2025 weitgehend stabil, wenngleich die Arbeitslosigkeit wieder leicht über drei Millionen stieg. Für 2026 wird mit einer Arbeitslosenquote um 6,5 Prozent gerechnet. Gleichzeitig steigen die Löhne nominal deutlich, was zu spürbaren Reallohnzuwächsen führt. Diese Entwicklung stabilisiert den privaten Konsum und wirkt als konjunktureller Puffer. Zugleich steigen aber auch die Arbeitskosten der Unternehmen und verringern die Wettbewerbsfähigkeit. Bei der Inflation hat sich die Lage entspannt. Nach den Hochphasen der Vorjahre lag die Teuerungsrate 2025 im Durchschnitt bei 2,2 Prozent. Für 2026 wird eine ähnliche Größenordnung erwartet.Fiskalpolitische Impulse zumindest fraglichDie Fiskalpolitik für das Jahr 2026 ist grundsätzlich expansiv ausgerichtet. Über das 500 Milliarden Euro schwere „Sondervermögen“ für Infrastruktur und Klimaneutralität, das auf rund 12 Jahre angelegt ist, sollen zahlreiche staatliche Investitionen kreditfinanziert werden. Zur privaten Investitionsförderung ist ein zentrales Element der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung der sogenannte Investitionsbooster. Gemeint sind vor allem steuerliche Maßnahmen, die Unternehmen ermöglichen, Investitionen schneller abzuschreiben. Die degressive Abschreibung sowie Sonderregelungen für bestimmte Investitionsgüter erhöhen die Liquidität in den ersten Jahren und sollen Investitionsentscheidungen vorziehen. Ob diese Impulse in ausreichendem Maße wirksam werden, hängt jedoch von der Umsetzung ab. Planungs- und Genehmigungsengpässe, Fachkräftemangel im Bau- und Verwaltungsbereich sowie komplexe Vergabeverfahren können Mittelabflüsse verzögern. Zudem besteht das Risiko, dass Mittel lediglich bestehende Haushaltsausgaben ersetzen, statt echte zusätzliche Investitionen zu schaffen. Es ist noch fraglich, ob tatsächlich die erhofften konjunkturellen und strukturellen Impulse vom Sondervermögen ausgehen.
