Industrie in Zahlen
Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage sowie der Beschäftigtenstatistik für den IHK-Bezirk Frankfurt am Main, Hessen und die Metropolregion FrankfurtRheinMain - Zahlen, Indikatoren, Entwicklungen, Prognosen, weitere Informationen
- Konjunkturelles Umfeld: International
Die konjunkturelle Lage im Frühjahr 2026: Weltwirtschaft verliert an Dynamik – Energiepreise, höhere Zinsen und Handelskonflikte bremsen das Wachstum.Wachstum des Welthandels schwächt sich abIm Jahr 2025 war ein robustes Wachstum des Welthandels zu verzeichnen. Insgesamt stieg der Welthandel gegenüber dem Vorjahr um 4,2 Prozent. Getragen wurde dieser Anstieg zu einem großen Teil durch zunächst höhere Importe in den USA und den sonstigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften. In der zweiten Jahreshälfte 2025 zeichnete sich jedoch eine Abschwächung ab, bedingt durch die protektionistische Ausrichtung der US-Handelspolitik und zum Jahresende auch durch die negativen Auswirkungen der US-Haushaltssperre.Zum Jahresanfang 2026 zeigte sich dann zunächst eine leicht expansive Entwicklung der Weltkonjunktur. Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges und der damit verbundenen faktischen Blockade der Straße von Hormus wurde das weltwirtschaftliche Wachstum jedoch stark abgebremst. Schließlich passieren in Friedenszeiten rund 20 Prozent des globalen Öl- und Mineralölproduktverbrauchs sowie des weltweit gehandelten Flüssigerdgases die Straße von Hormus. Der Anteil der Energietransporte, die von da aus direkt nach Europa und die USA gehen, ist zwar relativ gering (der Großteil geht nach Asien, vor allem China, Indien und Südkorea), aber die Verknappung von Rohöl und Erdgas hat zu einem massiven Anstieg der Energiepreise geführt und wird die Weltkonjunktur massiv dämpfen, indem es sich sowohl auf die Industrieproduktion als auch auf den privaten Konsum negativ auswirkt. Verwerfungen an den Märkten für Rohöl und Flüssigerdgas führen grundsätzlich zu Preissteigerungen in allen Regionen, da diese Waren global gehandelt werden. Die konjunkturdämpfenden Effekte fallen dennoch regional unterschiedlich aus. Insbesondere die asiatischen Industriestaaten und die südostasiatischen Schwellenländer sind teils in hohem Maß von Öl- und Gasimporten aus dem Nahen Osten abhängig. Handelsströme und Bezugsquellen dürften sich erst mit Verzögerung anpassen. In diesem Anpassungsprozess dürften Volkswirtschaften mit höherer Zahlungsfähigkeit, wie die EU und die USA, tendenziell einen größeren Teil der weltweit verfügbaren Mengen absorbieren, sodass die Belastung in Asien stärker spürbar sein dürfte.Steigende Zinsen und verschlechterte Finanzierungsbedingungen für UnternehmenDie Verbraucherpreisinflation lag im März 2026 in den USA und Großbritannien bei 3,3 Prozent, im Euro-Raum bei 2,6 Prozent. Für den weiteren Jahresverlauf ist mit einem weiteren Anstieg der Inflationsraten zu rechnen. Dies wirkt sich inzwischen auch auf die Zinsentwicklung aus. Infolge der deutlich gestiegenen Preise für fossile Energieträger wurden die Erwartungen zur Leitzinsentwicklung an den Finanzmärkten zuletzt deutlich nach oben korrigiert. Noch zu Jahresbeginn 2026 wurde an den Terminmärkten mit einer bis auf 3 Prozent fallenden Federal Funds Rate im Jahr 2027 sowie einem konstanten EZB-Zinssatz von 2 Prozent im gesamten Prognosezeitraum gerechnet. Stattdessen hat die EZB am 11. Juni 2026 erstmals seit knapp drei Jahren wieder den Leitzins erhöht. Im Euro-Raum hatten sich aber schon vor der Leitzins-Erhöhung die Finanzierungsbedingungen insbesondere für Unternehmen verschlechtert. Nach der neuesten Bank Landing Survey der EZB verschärften die Geschäftsbanken ihre Kreditvergabestandards deutlich.Aufwertung des Euros gegenüber dem US-Dollar und anderen WährungenIm Jahr 2025 wertete der Euro gegenüber dem US-Dollar deutlich um 11,7 Prozent auf. Zugleich verlor der US-Dollar auch an Wert gegenüber den Währungen im Rest der Welt. Allerdings stieg der nominale effektive Wechselkurs des Euros 2025 gegenüber einem gewichteten Durchschnitt aus 17 Handelspartnern ebenfalls, und zwar um knapp 6 Prozent. Insgesamt hat sich die Stimmung gegenüber dem Euro verbessert. Dies hat aber auch zu einer Belastung der Exportwirtschaft im Euro-Raum geführt. Der Sachverständigenrat geht in seinem Frühjahrsgutachten jedoch für 2026 mit einer Seitwärtsbewegung der Wechselkurniveaus aus.Schwaches Wachstum im Euro-RaumDas schwierige konjunkturelle Umfeld führt dazu, dass für das Jahr 2026 im Euro-Raum nur mit einem geringen Wirtschaftswachstum zu rechnen ist. Der Sachverständigenrat prognostiziert für den Euro-Raum lediglich ein Wachstum des realen Bruttoinlandsproduktes von 0,7 Prozent. Auch im Vereinigten Königreich ist ein geringes Wirtschaftswachstum zu erwarten. Etwas günstiger sind die Prognosewerte für die Vereinigten Staaten (plus 1,9 Prozent). Deutlich höhere Wachstumsraten sind jedoch in Indien (plus 6,9 Prozent) China (plus 4,5 Prozent) und den südostasiatischen Schwellenländern (plus 4,0 Prozent) zu erwarten. In Japan dürfte das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im laufenden Jahr deutlich zurückgehen und nur noch bei 0,5 Prozent liegen.
- Konjunkturelles Umfeld: National
Die konjunkturelle Lage im Frühjahr 2026: Deutsche Wirtschaft bleibt hinter dem Euro-Raum zurück – Industrie schwächelt, Arbeitsmarkt verliert an Dynamik.Wirtschaftswachstum bleibt unter dem Durchschnitt des Euro-RaumsNach den Rezessionsjahren 2023 und 2024 ist die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr preisbereinigt nur um 0,2 Prozent gewachsen. Dabei war das geringfügige Wachstum in erster Linie auf einen Anstieg der privaten Konsumausgaben zurückzuführen. Die deutschen Warenexporte gingen hingegen das dritte Jahr in Folge zurück. Die Anlageinvestitionen entwickelten sich weiterhin schwach, und die Kapazitäten im Verarbeitenden Gewerbe und im Hochbau sind unterausgelastet. Das anhaltend turbulente geopolitische Umfeld belastet die deutsche Wirtschaft ebenso wie die erratische US-Handelspolitik, Hinzu kommt die sinkende Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industriegüter auf dem Weltmarkt. Zum Jahresbeginn 2026 hatte sich zwar zunächst eine leichte konjunkturelle Belebung abgezeichnet, die aber nun durch einen erneuten kriegsbedingten Energiepreis-Schock stark beeinträchtigt wurde. Aufgrund der gestiegenen Energiepreise rechnet der Sachverständigenrat für das laufende Jahr lediglich mit einem Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts von 0,3 Prozent und für 2027 mit 0,5 Prozent. Damit bliebe Deutschland weiterhin deutlich unterhalb des Wachstumsniveaus des Euro-Raums.Wettbewerbsfähigkeit gegenüber China lässt weiter nachStützend wirken sich die öffentlichen Ausgaben im Zuge des im März 2025 beschlossenen Finanzpaketes aus. Dies dürfte im laufenden Jahr zu spürbaren Zuwächsen bei den öffentlichen Tiefbau- und Ausrüstungsinvestitionen führen. Der Staatskonsum wird deutlich zunehmen. Ein von der privaten Wirtschaft getragenes Wachstum ist hingegen nicht in Sicht. Das Verarbeitende Gewerbe entwickelt sich weiterhin schwach, die Auftragseingänge stagnieren oder sind sogar rückläufig. Die privaten Bruttonanlageinvestitionen dürften 2026 das fünfte Jahr in Folge sinken. Hinzu kommt die anhaltende Exportschwäche: Für den deutschen Außenhandel ist im Vergleich zu anderen Engpässen auf Seewegen die direkte Bedeutung der Straße von Hormus relativ gering. Weniger als 1 Prozent der gesamten deutschen Im- und Exporte passieren diese Straße. Die Schwäche der deutschen Warenexporte ist vielmehr auf die zunehmend geringer werdende Wettbewerbsfähigkeit zurückzuführen. Dies gilt insbesondere gegenüber China. Im Jahr 2025 gingen nur 5,2 Prozent der deutschen Ausfuhren nach China, im Jahr 2019 waren es noch 7,2 Prozent gewesen. Zudem hat sich die Exportstruktur Chinas zunehmend an die deutsche angeglichen. So konkurrieren beide Länder verstärkt um den Absatz von Waren im Bereich Maschinen- und Fahrzeugbau. Gleichzeitig sinken die Exportpreise chinesischer Waren in US-Dollar. Im Jahr 2025 lagen sie um 16,5 Prozent niedriger als im Jahr 2022, während die deutschen Warenexportpreise um 10,6 Prozent anstiegen.Konjunkturelle Schwäche belastet den ArbeitsmarktDie konjunkturelle Schwächephase belastet zunehmen den Arbeitsmarkt. Im 1. Quartal 2026 ging die Zahl der Erwerbstätigen gegenüber dem Vorquartal um 0,1 Prozent zurück. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wächst nicht mehr: Das Beschäftigungswachstum der letzten Jahre, das ausschließlich durch die Zunahme ausländischer Staatsbürger getragen wurde (die Zahl der Beschäftigten mit deutscher Staatsangehörigkeit ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken), ist gestoppt. Hier macht sich der demografische Wandel bemerkbar. Die Arbeitslosenquote ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen und lag saisonbereinigt im April 2026 bei 6,4 Prozent. Allerdings zeigt sich bei den Zu- und Abgängen, dass das Zugangsrisiko in Arbeitslosigkeit zurzeit noch gering ist. Gleichzeitig führt die derzeit mangelnde Einstellungsbereitschaft der Unternehmen dazu, dass die Abgangschancen aus der Arbeitslosigkeit derzeit ebenfalls gering sind. Vor allem bei kleineren Betrieben ist ein Rückgang offener Stellen erkennbar.
